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Heute beziehe ich mich auf die gestrige Galileofolge auf Pro7, in der es wieder um die sogenannten Killerspiele ging.
Obwohl der Beitrag vorsichtig gemacht war, kam indirekt die Message rüber, dass Killerspiele allein Zocker zu Killern mutieren läßt, wenn man solche Spiele zu oft spielt. Dass eine Sucht entstehen kann, will ich nicht bestreiten.
Sehr unpassend fand ich, dass sie den Lehrer aus der Schule in Erfurt, wo 2002 (?) der erste schlimme Amoklauf passierte, als Hauptperson des Beitrags gewählt haben, denn ein Mensch, der mit so einer Todesangst konfrontiert wurde, ist meiner Meinung nach nicht die richtige Person, um sich mit Killerspielen und eventuellen Amokläufern auseinanderzusetzen. Er war oft sichtlich emotional erschüttert, obwohl einige Bilder oft "normale Situationen" für Zocker waren, selbst für Nichtzocker. Dadurch hatte man den Eindruck, dass die "Killerspiele" viel schlimmer als erwartet wären. Zudem wurde auch noch ein junger Mann interviewed, der täglich 8 Stunden zockt. Er stellte den typischen Zocker bildlich gut dar, obwohl es in einem früheren Galileobeitrag durchaus "normalere" Zocker gab, die zu dem Thema auch Antworten geben konnten.
Wie schon erwähnt, wurde immer noch indirekt vermittelt, dass Killerspiele aus harmlosen Leuten nach einer gewissen Zeit zu gefährdeten Menschen macht, auch wenn die typischen übertriebenen Klischees etwas weggelassen wurden. Ich selber bin da aber anderer Meinung, was wohl auch daran liegt, dass ich selber Zocker bin, der täglich einige bis viele Stunden vor der Flimmerkiste verbringt.
Klar kann man vom Nutzen eines Computers Realitätsverluste haben, dennoch muss man auch hier unterscheiden. Ich persönlich komme aus einer sehr geborgenen Familie und war schon von Baby an sehr ruhig. Ich denke, hier stecken viele Gründe hinter, warum ich so bin, wie ich heute bin - nämlich die Ruhe, Schüchternheit, aber auch Ängste vor diversen Dingen.
Auch bin ich der Meinung, dass die Gewalt in einem Kind oder Jugendlichen nicht NUR durch Gewaltspiele steigt, sondern es kommt darauf an, wie die Eltern das Kind erzogen haben und wie das Umfeld auf das Kind wirkt. Jedes Kind ist einfach anders. Schon bei der "Supernanny" sieht man ja, dass der Unruheherd ja meist die Eltern sind und diese dann gelehrt werden müssen.
Auch Stress und Wut steigen in der Schule, wenn man schlechte Noten bekommt und man oft das Gefühl hat, die Lehrer sind gegen einen. Wenn man sich dann langsam in sich kehrt und Todespläne schmiedet, ist es ja wohl klar, dass man sich gerne in Videospielen ausläßt. Doch hier wird häufig genau ab da erzählt - Videospiele machen Spieler aggressiv und laufen irgendwann Amok.
Wozu gibt es eigentlich Altersbeschränkungen? Häufig wird kritisiert, dass schon Kinder diese "Killerspiele" spielen und diese deshalb verboten werden müssten. Aber wieso denkt niemand daran, dass Kinder sowas häufig nicht mal spielen dürfen? Es gibt viele vorbildliche Eltern, aber leider noch zu viele Eltern, die darauf nicht achten, ganz schlimm - die Verkäufer, die keine Alterskontrolle durchführen. Als ich mir mit 16 "GTA Vice City" gekauft habe, hat niemand mich gefragt, obwohl ich sogar immer viel jünger geschätzt werde. Aber als ich mit 20 in eine Disco gehe, werde ich vom Türsteher am Arm gepackt und ein 2. Mal trotz Stempel auf der Hand nach dem Ausweis gefragt.
Ab wann ist man denn süchtig? Ich behaupte selbst von mir, dass ich süchtig bin. Ich bin nicht gerade von Spielen süchtig, aber generell von dem Medium Computer u. Ä. Dafür gibt es aber Gründe. Der Computer verbindet unheimlich viele Dinge vom Alltag, sei es das Hobby Fotografie und Filmen als auch das Zeichnen und Malen am PC. Ein Computer ist nicht nur eine gute Methode im Internet zu recherchieren und oft sehr viele und vor allem schnelle Antworten auf Fragen, die einem unter den Nägeln brenen, zu bekommen. Das Internet ist auch eine gute Möglichkeit Freunde kennenzulernen, wenn man schüchtern ist und die Menschheit meidet.
Eine Sucht ist für mich, wenn Dinge deswegen abgesagt werden. Direkt nach der Sendung habe ich eine Unterhaltung mit meinem besten Freund gehalten, den ich selbst als Dauerzocker einstufen würde, aber nicht als süchtig. Er meinte, wenn er die Wahl zwischen Schule und Zocken hätte, würde er lieber zocken. Wenn er aber die Wahl zwischen Freunde treffen und Zocken hätte, würde er die Freunde vorziehen. Ich will jetzt nicht alle Zocker in Schutz nehmen und sagen, dass alle so sind, aber es gibt unter Zockern durchaus Prioritäten. Allerdings hat das auch was mit dem Interessengrad zu tun. Ich persönlich widerrum habe kein Problem damit eine Party abzusagen, um meinen Abend am Wochenende alleine zu verbringen. Mein Vater stuft mich deshalb als süchtig und extrem gefährdet ein. Er akzeptiert aber nicht, dass mir sowas häufig keinen Spaß macht, was sicher damit zu tun hat, dass ich schüchtern bin. Allerdings habe ich tief im Inneren keinen Drang danach so zu sein wie andere, damit ich endlich mal vernünftig auf Partys gehen kann. Ich finde es schlicht weg langweilig herumzusitzen, sich zu besaufen und zu tanzen - was mit daran liegt, dass ich weder trinke, noch rauche. Oft fühle ich mich in lauten Menschenmassen auch einfach nur unwohl und bedrängt.
Was ist daran so abwägig? Ich sitze lieber zu Hause herum, als nach einem Partyabend in eine Besoffenenschlägerei zu geraten.
Ich merke selber, wie sehr ich im Zwiespalt stecke, aber es gibt zu viele gute Dinge, die dafür sprechen, andere Menschen aber häufig nicht verstehen. Allerdings kann ich von mir behaupten, dass ich mit meinen Interessen und meiner Art niemandem schade und mir ebenfalls nicht. Ich habe in meinem Leben bisher alles geschafft, von Schule bis Ausbildung, auch ein Auto habe ich mir gekauft. Noch nie habe ich aufgrund meines Computer die Schule geschwänzt oder bin irgendwo nicht hingegangen, was wichtig war.
Um nochmal zurück zu den Killerspielen zu kommen - wenn mich jemand fragt, was der Reiz daran ist, muss ich leider mit meinen Schultern zucken. Ich weiß es nicht. In "Grand Theft Auto" ist es zum Beispiel die Freiheit. Ich sitze nicht in den Himmel schauend in der Stadt herum und denke mir: "Wenn ich jetzt ein paar Menschen überfahren könnte" oder "Was wäre, wenn ich jetzt eine Massenkarambolage herbeiführen könnte?", im Spiel passiert es einfach und man möchte es dort alles ausprobieren, oft auch, weil man wissen will, OB ES ÜBERHAUPT DORT GEHT.
Auch hier muss man unterscheiden - mein Kumpel und ich können Spiel und Realität sehr gut unterscheiden. Ein Spiel kann noch so realistisch rüberkommen - mit der Realität hat das nix zu tun, in meinen Augen. In Spielen passieren spektakuläre und oft unrealistische Dinge, aber wenn ich in Echt sehe, wie ein Mensch vom Auto angefahren wird oder vom Fahrrad fällt, schockiert es mich so sehr, dass es mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf geht und ich schon fast unter Schock stehe. Vielleicht steht bei mir in Spielen oft im Vordergrund zu schauen, wie gut die Spieleentwickler ein Spiel produzieren und programmieren als einfach nur zuzugucken.
Oft frage ich mich auch, warum bei Filmen niemand was sagt. Es gibt weitaus brutalere Filme als so manches Killerspiel, in dem der Unterschied darin liegt, dass ein Mensch quasi die Rolle einnehmen kann. Für mich ist da aber kein Unterschied.
Das Thema wird wohl immer wieder aufgerollt. Komisch ist auch, dass bei dem Amokläufer aus Erfurt nicht mal 100%ig klar ist, ob er "Killerspiele" gespielt hat...