24.10.2009 14:59
Wo besteht denn die Notwendigkeit, für Gewaltspiele zu argumentieren? Und wo besteht die Notwendigkeit, Gewaltspiele zu verteufeln? Gewaltspiele werden konsumiert und deswegen produziert. Angebot und Nachfrage. Gründe: Es gibt Leute, denen sie Spaß machen. Sie sind gutes Gehirnjogging usw., weil es eben nicht nur um Gewalt geht. Oder gibt es ein Genre, das Gewaltspiel heißt? Das ist nur ein abgeschwächter Begriff für Killerspiel, ein nur unangebrachter Begriff. (Was ich schon oft genug erläutert habe...)
Ist es ein Grund, etwas zu verbieten, weil es keine Gründe für die Sache gibt? Wenn etwas verboten werden soll, müssen gute Gründe für das Verbot her.
Wovon abgelenkt werden soll: Die Amokläufer waren alle soziale Problemfälle. Sie hatten Zugang zu Waffen, konnten sich niemandem anvertrauen. Weil sie eigentlich niemand wirklich kannte, ist es auch so schwierig, ihre Persönlichkeit zu rekonstruieren. Das ist genau mein Argument: Niemand hat sich für sie interessiert. Sie sind von keiner sozialen Institution aufgefangen worden. Institution ist hier weit zu fassen: von Elternhaus über Freunde bishin zu staatlichen Hilfsangeboten.
Was bringt ein Politiker nun einfacher über die Lippen?
a) Liebes Volk, mal daran gedacht, dass ihr in sozialer Hinsicht auf der ganzen Linie versagt und deswegen jemand aus eurer Mitte einen erweiterten Suizid begeht? (Ein Amoklauf kann auch als erweiterter Suizid aufgefasst werden, weil jemand, der die Schuld für seine Lage vermutlich in der Umwelt sieht, in einem Racheakt Menschen auf "seinen Todesritt" mitnimmt.)
b) Diese modernen Dinger da, mit denen sich hier niemand auskennt, diese Computerspiele, ich nenne sie einmal Killerspiele, um es "auf den Punkt zu bringen", die sind schuld an allem! Verbieten wir Killerspiele und wir lösen alle Gewaltprobleme auf einmal. Jaja! Sogar Probleme, die existierten, lange bevor das erste Computerspiel programmiert wurde!
Möglichkeit b) ist einfacher. Niemand muss sich schuldig fühlen und trotzdem hat man was, worauf man herumhacken kann. Sündenbock und Strohmannargumentation vermischen sich im Begriff Killerspiel auf brillante Weise. Eine rhetorische Glanzleistung!
Es ist wohl eindeutig, dass Computerspiele im Kampf gegen Gewalt an untergeordneter Stelle stehen. Jede physische und psychische Form von Gewalt, die von sozialen Akteuren ausgeübt wird, muss in viel höherem Verdacht stehen, weitere Gewalt hervorzurufen.
Wieso schiebt man lieber unbelebte Dinge wie Killerspiele vor? Weil es angenehmer ist. Man beleidigt damit keinen Menschen (potenziellen Wähler).
Neue Medien und Ausdrucksformen, in der Antike das Theater, später die realistische Malerei, dann der Roman, dann der Film, später "nur noch" der Horrorfilm, heute die Computer- und Konsolenspiele haben sich aufgrund ihres mimetischen Charakters immer schon für diese Rolle angeboten.
Wovon soll abgelenkt werden? Von unserem eigenen menschlichen Versagen als soziale Wesen. Jeder, der z.B. diesen Jungen aus Winnenden näher kannte und dessen Tun oder Nichtstun einen Einfluss auf ihn hatte, ist schuldig. Entweder weil er aktiv etwas Schädliches getan hat oder weil er ein Angebot der Hilfeleistung unterschlagen hat. Sag das jemandem aus Winnenden oder Erfurt usw. ins Gesicht.
Das sind teils abstrakte Begriffe und Vermutungen, die ich hier äußere, aber noch davon ist jede konkreter und näher an der Wahrheit als die Killerspieldebatte.
Nach wie vor sage ich: natürlich gibt es gewalthaltige Spiele, die für Kinder weniger geeignet sind. Und dagegen sollte man etwas tun.
Keine noch so harte Intervention gegen Computerspiele wird aber etwas Nennenswertes ändern, weil sie nur Stimuli bieten, die von Gewalt, die von Menschen ausgeht, in ihren Auswirkungen auf Menschen um ein Vielfaches überboten werden.
Das darf man nicht in einen Topf mit dem zu sabotierenden Ablenkungsmanöver mittels des Kampfbegriffs "Killerspiele" werfen. Das ist eine ganz andere Debatte! Lass dich von diesem lächerlichen Killerspielargument nicht verwirren. Das ist sein einziger Zweck.
Ist es ein Grund, etwas zu verbieten, weil es keine Gründe für die Sache gibt? Wenn etwas verboten werden soll, müssen gute Gründe für das Verbot her.
Wovon abgelenkt werden soll: Die Amokläufer waren alle soziale Problemfälle. Sie hatten Zugang zu Waffen, konnten sich niemandem anvertrauen. Weil sie eigentlich niemand wirklich kannte, ist es auch so schwierig, ihre Persönlichkeit zu rekonstruieren. Das ist genau mein Argument: Niemand hat sich für sie interessiert. Sie sind von keiner sozialen Institution aufgefangen worden. Institution ist hier weit zu fassen: von Elternhaus über Freunde bishin zu staatlichen Hilfsangeboten.
Was bringt ein Politiker nun einfacher über die Lippen?
a) Liebes Volk, mal daran gedacht, dass ihr in sozialer Hinsicht auf der ganzen Linie versagt und deswegen jemand aus eurer Mitte einen erweiterten Suizid begeht? (Ein Amoklauf kann auch als erweiterter Suizid aufgefasst werden, weil jemand, der die Schuld für seine Lage vermutlich in der Umwelt sieht, in einem Racheakt Menschen auf "seinen Todesritt" mitnimmt.)
b) Diese modernen Dinger da, mit denen sich hier niemand auskennt, diese Computerspiele, ich nenne sie einmal Killerspiele, um es "auf den Punkt zu bringen", die sind schuld an allem! Verbieten wir Killerspiele und wir lösen alle Gewaltprobleme auf einmal. Jaja! Sogar Probleme, die existierten, lange bevor das erste Computerspiel programmiert wurde!
Möglichkeit b) ist einfacher. Niemand muss sich schuldig fühlen und trotzdem hat man was, worauf man herumhacken kann. Sündenbock und Strohmannargumentation vermischen sich im Begriff Killerspiel auf brillante Weise. Eine rhetorische Glanzleistung!
Es ist wohl eindeutig, dass Computerspiele im Kampf gegen Gewalt an untergeordneter Stelle stehen. Jede physische und psychische Form von Gewalt, die von sozialen Akteuren ausgeübt wird, muss in viel höherem Verdacht stehen, weitere Gewalt hervorzurufen.
Wieso schiebt man lieber unbelebte Dinge wie Killerspiele vor? Weil es angenehmer ist. Man beleidigt damit keinen Menschen (potenziellen Wähler).
Neue Medien und Ausdrucksformen, in der Antike das Theater, später die realistische Malerei, dann der Roman, dann der Film, später "nur noch" der Horrorfilm, heute die Computer- und Konsolenspiele haben sich aufgrund ihres mimetischen Charakters immer schon für diese Rolle angeboten.
Wovon soll abgelenkt werden? Von unserem eigenen menschlichen Versagen als soziale Wesen. Jeder, der z.B. diesen Jungen aus Winnenden näher kannte und dessen Tun oder Nichtstun einen Einfluss auf ihn hatte, ist schuldig. Entweder weil er aktiv etwas Schädliches getan hat oder weil er ein Angebot der Hilfeleistung unterschlagen hat. Sag das jemandem aus Winnenden oder Erfurt usw. ins Gesicht.
Das sind teils abstrakte Begriffe und Vermutungen, die ich hier äußere, aber noch davon ist jede konkreter und näher an der Wahrheit als die Killerspieldebatte.
Nach wie vor sage ich: natürlich gibt es gewalthaltige Spiele, die für Kinder weniger geeignet sind. Und dagegen sollte man etwas tun.
Keine noch so harte Intervention gegen Computerspiele wird aber etwas Nennenswertes ändern, weil sie nur Stimuli bieten, die von Gewalt, die von Menschen ausgeht, in ihren Auswirkungen auf Menschen um ein Vielfaches überboten werden.
Das darf man nicht in einen Topf mit dem zu sabotierenden Ablenkungsmanöver mittels des Kampfbegriffs "Killerspiele" werfen. Das ist eine ganz andere Debatte! Lass dich von diesem lächerlichen Killerspielargument nicht verwirren. Das ist sein einziger Zweck.
Überwinde den Schmalzkringel und zähme den Donut.
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